Imaginationen
in der Psychotherapie
Was
verstehen wir unter Imaginationen?
Unter
Imaginationen verstehen wir innere Vorstellungsbilder, Metaphern, die wir häufig
spontan zuhilfe nehmen, um uns psychisch zu entlasten.
Die
menschliche Fähigkeit zur bildhaften Vorstellung wird in der Psychotherapie
zunehmend als ressourcenorientiertes Instrument angesprochen und aktiviert.
Besonders in der traumatherapeutischen Behandlung spielen Imaginationen bzw. die
Erarbeitung psychoimaginativer Techniken eine wichtige Rolle, um den
unkontrolliert auftauchenden traumatischen Bildern eine bewusste positive und
schutzspendende Vorstellung (z.B. das innere Bild eines Sicheren Ortes)
entgegenzusetzen.
Resignation und Mutlosigkeit als Korrelat
psychischer Erkrankungen
Psychische Erkrankungen stehen oft in direktem Zusammenhang mit negativen
Gedankenverläufen, pessimistischen Bewertungen und ängstlichen Erwartungen. Die
sorgenvollen Vorstellungsbilder sind darüber hinaus belastend – verhindern
Heilungsprozesse.
Aktivierung von Selbstheilungskräften durch
Imaginationen
Mit der
Erarbeitung heiler positiver Imaginationen und der bewussten Hinwendung zu
stärkenden Bildern und Gedanken werden neue bzw. passive neuronale Verknüpfungen
angeregt. Es ist wie das Erlernen eines neuen Instrumentes: regelmäßiges Üben
hilft, die imaginativen Techniken als sinnvolle Ressource zuverlässig anwenden
zu können.
Imaginationen
als Entscheidungsfaktoren
Wir sind aufgrund
unserer Vorstellungskräfte in der Lage, Entscheidungen zu treffen, angenehme
oder unangenehme Gefühle zu erzeugen. So gibt es von Seiten der Hirnforschung
mittlerweile Erkenntnisse, dass Imaginationen das Gehirn fast genauso
beeinflussen können wie echte Erfahrungen. Es konnte nachgewiesen werden, dass
die bloße Vorstellung von Handlungen dieselben Gehirnzellen aktiviert wie
die vorgestellte Handlung selbst (Kreiman et al.).
Um ein
bewusstes Gegengewicht zu den depressiven und Stagnation fördernden negativen
Gedankenspiralen zu bilden, bedarf es gezielter Anstrengungen.
Psychotherapeutisch gilt es einen Prozess zu fördern, der die subjektiv erlebte
Kontrollfähigkeit verbessert, das Kompetenzerleben erhöht durch die Erfahrung,
die „schlechten“ Gefühle aus eigener Kraft wandeln zu können. Dies bedeutet z.B.
auch, sich bei traurigen und verzagten Gefühlen selbst trösten zu können.
Nun ist
nicht jeder in der Lage zu spontanen heilsamen bildhaften Vorstellungen
(Imaginationen). Aus unserer Erfahrung fällt es nur etwa einem Drittel der
Menschen leicht, zu imaginieren. Viele Menschen müssen sich diese „guten Bilder“
erst selbst „zusammensetzen“, also erarbeiten. Deshalb ist auch das „Ausdenken“
von guten und unterstützenden inneren Bildern eine ebenso fördernde und wirksame
Methode auf dem Weg zur Heilung.
Die oft
mühevolle Erarbeitung dieser Fähigkeiten ermöglicht jedoch eine wesentlich
raschere psychische Stabilisierung. Das bewusste „innere Hingehen“ zu fest
umrissenen guten, geistigen Bildern (Imaginationen) stellt neben einer
lösungsorientierten, häufig durchaus aufwühlenden und verunsichernden thematisch
orientierten therapeutischen Arbeit eine wesentliche Ressource dar.
Übungsbeispiel zu Imaginationen nach
Luise Reddemann:
Luise Reddemann
empfiehlt auch eine kurze Achtsamkeitsübung an den Anfang zu setzen: Wichtig ist
es dabei eine angenehme Körperhaltung einzunehmen – im Liegen oder Sitzen.
Wahrzunehmen, dass der Körper Kontakt hat – vielleicht mit dem Boden - und wo er
Kontakt hat. Dabei geht es nicht um richtig oder falsch, sondern nur darum,
bewusst zu registrieren.
Einen Sicheren Inneren Ort
finden:
„...ich lade Sie ein, die Aufmerksamkeit nach innen zu wenden und einen Inneren
Sicheren Ort zu finden. Nur Sie können diesen Ort in Ihrer inneren Welt
erreichen. Für manche ist dieser Ort eine Insel, ein Haus oder ein anderer
Planet. Sie können auch in ein Erinnerungsbild gehen von einem Ort, den Sie
kennen und wo Sie sich wohl und geborgen fühlen.
Welche Eigenschaften muss Ihr Sicherer Innerer Ort haben, damit Sie sich dort
wirklich völlig sicher fühlen. Überprüfen Sie, ob Sie Grenzen brauchen. Dann
stellen Sie sich vielleicht eine Mauer vor oder einen dichten Wald oder Wasser.
Prüfen Sie auch mit Ihren Sinnen, ob Sie sich an Ihrem Sicheren Inneren Ort wohl
fühlen. Wie ist der Geruch, was sehen Sie mit den Augen, was hören Ihre Ohren?
Schauen Sie sich um. Vielleicht müssen Sie auch noch das eine oder andere
verändern. Dann tun Sie es. Sie können den Ort so gestalten wie Sie es
wünschen.
Erst
wenn Sie sich völlig sicher und geborgen fühlen, können Sie diesen Zustand auch
verankern. Sie können eine bestimmte Körperhaltung einnehmen oder spüren, in
welchem Körperbereich Sie dieses innere Vorstellungsbild besonders wohltuend
wahrnehmen.
Spüren Sie, wie gut es ist, sich sicher und geborgen zu fühlen.
Sie können Ihren
Sicheren Inneren Ort jederzeit aufsuchen. Jetzt bitte ich Sie, sich von dort
wieder zu verabschieden und in Ihrer Zeit in diesen Raum zurückzukehren.
Um
die Übung zu beenden, können Sie wieder Ihre Körpergrenzen wahrnehmen und den
Kontakt des Körpers mit dem Boden achtsam registrieren. Danach kommen Sie dann
mit der Aufmerksamkeit erneut zurück in den Raum...."
Bei der
Durchführung dieser Übung können jedoch nicht nur gute Bilder, sondern auch
schmerzliche Gedanken, Bilder oder Gefühle auftauchen, die man sonst im Alltag
nicht so wahrnimmt. Man merkt möglicherweise, was mit einem los ist: das kann
Angst machen. Deshalb empfiehlt auch L. Reddemann, diese Übungen eher denkend
als in Bildern durchzuführen, das verschafft mehr Kontrolle.
Wenn
Sie sich nach dieser Übung gut und wohl fühlen, wenn Sie spüren, dass diese
Vorstellungen Sie erleichtern, dann könnte es hilfreich sein, sie für eine Weile
regelmäßig zu machen, um diese in gewisser Weise zu verinnerlichen. Nur dann
können Übungen wie diese auch in angespannten und schwierigen Situationen
wirklich eine Hilfe darstellen.
Doris
Wagner
Dipl.-Psychologin
Abt. Psychotherapie und Psychosomatik

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Aktualisiert:
Juni 2010
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