Trauma-Exposition
Begegnung
mit dem Trauma,
Traumatherapie - Phase II
Wie Sie dort sehen können, beginnt für jeden die
Traumatherapie mit einer Phase der Stabilisierung. Diese kann je nach
Lebenssituation und Schwere der Problematik mit entsprechender
Symptomatik unterschiedlich lang sein. Für die einen kann
sich an diese Stabilisierungsphase die Trauma-Exposition anschließen.
Für andere geht es während des
gesamten stationären Aufenthaltes ausschließlich um
Stabilisierung. Dies wird von Ihren Bezugstherapeuten individuell mit
Ihnen besprochen. Bei akuten einmaligen Traumata im Erwachsenenalter
kann häufig nach einer relativ kurzen Stabilisierungsphase mit der
Trauma-Exposition begonnen werden.
Bei (sexuellen) Traumatisierungen in der Kindheit und chronisch komplexen
posttraumatischen Belastungsstörungen ist dagegen eine gründliche und
ausreichende Stabilisierung von größter Bedeutung.
Durch die quälenden Symptome, die das Leben so drastisch
beeinträchtigen, entsteht oft ein hoher Leidensdruck mit dem verständlichen
Wunsch, von der Qual befreit zu sein („Augen zu und durch“). So gut
wir diesen Wunsch verstehen können und dabei Unterstützung anbieten möchten,
den großen Leidensdruck zu lindern, können wir diesem Wunsch doch so
schnell und ohne ausreichende Sicherungsmaßnahmen nicht nachgeben.
Dies lässt sich vielleicht mit einem Beispiel
verdeutlichen: Wird irgendwo ein alter Sprengkörper gefunden, so werden
zunächst umfassende Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. Der Fundort wird
weiträumig abgesperrt und evakuiert, es kommen Spezialisten und schließlich
wird nach langen und umfangreichen Vorbereitungen begonnen, den Sprengkörper
unschädlich zu machen. Niemand käme dabei auf die Idee, z. B. auf ihn
zu schlagen, um ihn möglichst schnell zur Explosion zu bringen.
Dieses Beispiel kann man auch im übertragenen Sinne für
die Bearbeitung traumatischer Erfahrungen heranziehen. Zu schnell und
unzureichend vorbereitet an eine traumatische „Bombe“ heranzugehen,
würde bewirken, dass sie explodiert und eine verheerende Wirkung
entfaltet. Das häufige Argument, dass es doch auch so schon schlimm
genug sei und schlimmer kaum noch kommen könne, ist als Ausdruck der Störung,
unter der Sie leiden, sehr verständlich. Und doch ist dies nur
die eine Seite Ihrer Realität. Viele der Symptome,
unter denen Sie leiden, sind ursprünglich sinnvolle Schutzmechanismen
gewesen, die sich später jedoch verselbständigt haben. So haben z. B.
Dissoziationen auch heute noch eine Schutzfunktion, um Sie vor dem
ganzen möglichen Ausmaß des Grauens zu bewahren. Liegt keine
ausreichende Stabilität vor und wird dieser Schutz durch eine zu frühe
„Explosion“ zu schnell weggenommen und Sie sind dann dem vollen
Ausmaß der traumatischen Erfahrungen mit all seinen Folgen schutzlos
ausgeliefert. Dies ist nicht heilsam, sondern kann im Gegenteil zu einer
gravierenden Verschlechterung Ihrer Befindlichkeit führen! Es
gibt daher kaum einen größeren Fehler in der Traumatherapie als eine
zu frühe
Trauma-Exposition!
Deshalb können
wir Ihr Drängen zwar verstehen, werden aber - in Ihrem Sinne -
eine Trauma-Exposition erst beginnen, wenn Sie aus unserer Sicht gründlich
und ausreichend darauf vorbereitet sind. Für viele Betroffene mit einer
chronisch komplexen Traumatisierung kann das bedeuten, dass es während
des gesamten stationären Aufenthaltes bei uns „nur“
um Stabilisierung geht und eine Exposition vielleicht erst bei einem späteren
Aufenthalt im Rahmen einer Intervalltherapie durchgeführt werden wird.
Trauma-Exposition
Um
die traumatischen Erlebnisse direkt zu bearbeiten, bedarf es spezieller
Techniken, da sich in der Vergangenheit leider immer wieder gezeigt hat,
dass sich durch bloßes
„darüber Reden“ - völlig
unabhängig von der therapeutischen Schule - keine wirkliche
Verbesserung der
posttraumatischen Störung erreichen lässt, es
vielmehr sogar zu einer Verschlimmerung führen kann. In den letzten
Jahren sind verschiedene Methoden entwickelt worden. Alle haben ihre
Vor- und Nachteile, weswegen wir jeweils individuell mit Ihnen
besprechen, welche Technik aus unserer Sicht die für Sie hilfreichste
ist. In der „Integrativen Traumatherapie“ verwenden wir hauptsächlich
die
·
Beobachtertechnik,
·
Bildschirmtechnik
und
·
EMDR.
Trauma-Exposition: Beobachtertechnik
Bei
dieser Methode wird versucht, mit dem sog. „inneren Beobachter“ die
traumatischen Ereignisse zu integrieren. Dieser hat als innerer Zeuge
die Geschehnisse miterlebt, ist jedoch emotional nicht beteiligt. Während
alle, welche die Traumatisierungen direkt erlebt haben, an den inneren
sicheren Ort gebracht werden, um nicht von Flashbacks überwältigt zu
werden, kann der innere Beobachter der/dem Therapeutin/en von den
Erlebnissen berichten, sie in Worte fassen und damit einem anderen
Menschen mitteilen, was bisher nicht aussprechbar war.
Trauma-Exposition:
Bildschirmtechnik
Bei
diesem Verfahren schauen sich PatientIn und TherapeutIn gemeinsam „das
Video“ der traumatischen Erlebnisse an. Als Vorbereitung hat sich
die/der Patient/in mit den Funktionen des „Videorecorders“ vertraut
gemacht, d. h. es können imaginär Vorlauf, Rücklauf, Standbild etc.
eingestellt werden. Hierdurch ist es möglich, die Belastung durch das
Anschauen des Videos so zu dosieren, dass es zu keiner Überflutung
kommt.
Trauma-Exposition:
EMDR
EMDR
(„Eye Movement Desensitisation and Reprocessing“) wurde in den USA
entwickelt und ist die am besten untersuchte und dokumentierte
Traumaexposition
stechnik. Die Theorie geht davon aus, dass traumatische
Erfahrungen von unserer Seele (Psyche) nicht verarbeitet werden können,
sondern im Gehirn „eingefroren“ werden und eine entsprechende
Symptomatik entwickeln können (siehe auch unsere
Internet-Info
„Integrative
Traumatherapie I“). Spätestens seit Sigmund Freud,
dem Begründer der modernen Psychotherapie Anfang des letzten
Jahrhunderts, wissen wir, wie wichtig unsere Träume sind, da wir dort
viele psychische Belastungen verarbeiten. Aus der modernen
Schlafforschung wissen wir, dass wir jede Nacht mehrmals träumen, auch
wenn wir uns meist am Tag nicht daran erinnern können. Wenn wir nachts
träumen, vollführen wir im Schlaf schnelle Augenbewegungen, weswegen
diese Schlafphasen auch „REM-Phasen„ genannt werden („Rapid Eye
Movement“). Diese seelischen (psychischen) Vorgänge, die im Traum
unwillkürlich und unbewusst geschehen und die für die seelische
Gesundheit so wichtig sind, macht man sich beim EMDR im Wachbewusstsein
zu Nutze. Zunächst werden die mit einem traumatischen Erlebnis
verbundenen Auswirkungen erarbeitet, d. h. die zugehörigen inneren
Bilder, negativen Gedanken, Gefühle und Körperwahrnehmungen werden
besprochen. Ist dies erfolgt, wird die/der Patient/in aufgefordert, den
Fingerbewegungen des Therapeuten mit den Augen zu folgen und die Augen
damit hin und her zu bewegen. Gleichzeitig soll sie/er wahrnehmen, was währenddessen
in ihr/ihm vorgeht, z. B. innere Bilder, Gedanken, Gefühle. Nach einer
Anzahl solcher Augenbewegungen erfolgt eine Pause, in der von dem
zwischenzeitlich Erlebten berichtet werden kann, aber nicht muss. Dieser
Vorgang wird mehrmals wiederholt. Hierdurch werden intensive
Verarbeitungsprozesse möglich. Am Ende einer jeden Expositionssitzung
werden erneut Gedanken, Gefühle und die Körperwahrnehmung besprochen
und abschließend auf einer Skala bewertet.
Trauma-Exposition:
Es handelt sich bei EMDR keineswegs um eine Form der Hypnose oder Trance,
vielmehr ist eine wache Aufmerksamkeit unbedingt erforderlich.
B. Landgrebe
Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unser Chefarzt im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.
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